Das Problem mit der Sprache

Wenn man aus Krankheitsgründen ein Weilchen ans Bett gefesselt ist, hat man zur Genüge Zeit, die Gedanken etwas kreisen zu lassen. Und es gibt da was, das ich schon länger mal in Worte fassen wollte.

Sprache birgt meiner Meinung nach grosse Probleme. Man bezeichnet mit irgendwelchen Lauten und Schriftzeichen gewisse Konzepte, und dies völlig arbiträrerweise. Was bringt mich dazu, das Farbspektrum von x nach y als Orange zu bezeichnen und dieses nicht noch zu Rot zugehörig zu sehen? Wieso gibt es Sprachen, die kein Wort für Baum kennen, sondern jede Pflanze einzeln bezeichnen und keine Übergruppen zu stipulieren versuchen? Was ist richtiger, was ist näher an der Realität?

Und auch innerhalb einer Sprache bezeichnen Leute mit ein und demselben Wort oft unteschiedliche Konzepte. Um auf den Baum zurückzukommen – vielleicht habe ich dabei eine Tanne im Kopf, jedoch mein Gegenüber eine Eiche. Und das Bezeichnete dürfte bei anderen, abstrakten Worten noch viel mehr auseinanderfallen. Was zur Hölle soll denn Liebe sein, und denken alle anderen bei dem Wort ans Gleiche wie ich? Höchstwahrscheinlich nicht.

Auch wenn man versucht, seine Worte noch näher zu erläutern, kommt man dabei nicht um Sprache rum, die wiederum selbst uneindeutig und gewissermassen zufällig ist. Gut möglich also, dass wir alle aneinander vorbeireden, dass wir uns nur zu verstehen glauben.

Die Sprache scheint mir nicht der ideale Weg zur Kommunikation zu sein. Da gibt es doch Dinge, die sehr viel tiefer verwurzelt sind in uns. So zum Beispiel Musik. Physikalisch ist festgelegt, was wir als harmonisch und und unharmonisch wahrnehmen, da gibt es nichts zu rütteln (Stichwort Obertonreihe). Aber andererseits – wie sollte ich so einen Inhalt wie den dieses Textes musikalisch darstellen?

Ich habe Zweifel, dass man andere komplett verstehen kann, dass man sich selbst komplett verstehen kann. Alles versuchen wir in die unvollständige Form der Sprache zu pressen um es verständlich zu machen, aber dieses System ist nicht gegeben, es ist von uns geschaffen und hat Fehler. Vielleicht ist es so schlecht, dass es unmöglich ist, damit philosophische Probleme zu lösen oder gar andere zu verstehen. Vielleicht sollten wir andere Wege dazu finden, oder zumindest immer wieder in Frage stellen, was wir eigentlich mit unseren Worten meinen.

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