Wiegenlied Teil I

Nach langer Zeit verspürte ich mal wieder Zeit und Muse, mich an einen literarischen Text zu setzen. Wenn man Arbeiten für die Uni schrieben müsste, erscheint alles andere plötzlich um ein Vielfaches spannender.

Sie ließ ihren Arm ins Wasser baumeln, die Finger gespreizt, ein verzücktes Lächeln auf den Lippen. „Es fühlt sich so gut an. Wasser umschmiegt alles, es ist die perfekte Umarmung.“ Ich schüttelte wie so oft den Kopf ob ihr, musste mir aber Mühe geben, ein Schmunzeln zu unterdrücken. Sie hatte so etwas wunderbar Kindliches.  Oft genug ging mir ihre Begeisterung für solche Lappalien aber auch auf die Nerven.

Sie schloss die Augen, hielt das Gesicht gen Sonne. „Sei nicht immer so ernst. Geniesse, lebe, fühl doch mal.“ Sie guckte mich nun an, beugte sich vor, nahm meine Hand und führte sie an ihrer ins Wasser. „Schön, nicht?“ fragte sie. Ich entzog ihr meine Hand etwas zu energisch, sie schien ein wenig geknickt. Ich kann kaum mitansehen, wenn ihre grünen Augen sich senken, dieses Glitzern aus ihnen weicht. Sie fing sich jedoch schnell wieder und ihre Mundwinkel kräuselten sich nach oben. „Wir sind noch ein paar Tage zu zweit hier, wenn Du nicht den Kopf verlieren willst, solltest Du beginnen, zu schätzen, was Du an Eindrücken hier erfahren kannst.“

Da hatte sie wohl recht. Zu zweit schaukelten wir weiter in unserem kleinen Katamaran, ich versuchte, mich zu entspannen, schloss die Augen, stützte den Kopf in meine Hände. Ich hörte Möwen krächzen, allzu weit waren wir also noch nicht vom Ufer entfernt. Ob sie nicht bald kalte Füsse bekäme? Die Sonne brannte auf meinen Hinterkopf, die Hitze setzte mir langsam aber sicher zu. Ich öffnete die Augen, schaute umher, auf der Suche nach etwas um meinen Körper vor der Hitze zu schützen.

Sie beobachtete nachwievor wie ihre Finger Spuren im Wasser zogen. Sie summte leise, so leise, dass ich mir nicht ganz sicher war, ob ich die Melodie bloss in das Rauschen der Wellen hineinphantasierte. Sie war schön. Die grünen Augen, die sanften Sommersprossen, ihre Nase war ein klein wenig nach oben gebogen, ihre Lippen voll. Ob ich diese Lippen wohl noch küssen dürfte?

Sie schaute besorgt. „Ist alles in Ordnung bei Dir? Deine Augen sind glasig.“  Ja, alles war in Ordnung, mir war nur heiss. Sie reichte mir eine Schilfmatte. Ich fühlte mich etwas lächerlich, wie ich so die Matte über meinem Kopf hielt, aber sie verschaffte mir Besserung.  War wirklich alles in Ordnung mit mir? Ich war mir nicht sicher. Ich fühlte mich mir selbst ausgesetzt, so ganz alleine zu zweit auf unserer schwimmenden Stube. Ich war noch nie solange mit mir selbst. Die Gedanken, die aufkamen, schüchterten mich ein.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s