Oh Du altbekannte Schwermut.

Wo kommst Du so oft wieder her die Tage? Ich dachte, Dich abgeschüttelt zu haben. Hin- und hergerissen zwischen Stagnation und Rastlosigkeit.

Mein alter Freund, ich vermisse Dich. Dein Name hat mich daran erinnert, erinnert an die Stunden, an die schlaflosen Nächte voller Gespräche, Nächte bedeutungsvollen Schweigens. Den Kontakt zu kappen war ein Fehler. Deine Stimme fehlt mir. Deine Klugheit, Deine Ehrlichkeit. Nie hatte ich das Gefühl, jemand anderes sein zu müssen. Ich reichte Dir völlig aus so wie ich war.

Ich sehe Deine Hände, wie sie übers Klavier huschen. Du spielst ein bisschen unbeholfen, dennoch gefühlvoll. Das Stück ist kitschig, es passt nicht zu Deiner trockenen Art. Plötzlich realisierst Du, dass man Dich raushört, hältst kurz inne. Setzt die Maske auf des Zynikers, Theatermodus ein. Du aus. Ich mag Dich, ganz so wie Du bist. Fürchte nicht. Ich halt Dich gern.

Die Kirche. Hinter mir das Orchester, hinter dem der Chor. Vor mir der Dirigent, Leute. Mein Puls geht schneller. Ich weiss, dass Du da irgendwo sitzt, doch ich weiss nicht wo. Seit zwei Jahren haben wir nicht mehr zusammen gesprochen. Ich spiele für Dich, ob Du es wohl merkst? Ich beobachte, wie die Finger des Dirigenten durch die Luft zischen. Noch drei Schläge, dann würden sie auf mich zeigen. Die ersten Töne, meine Finger gleiten von allein, wohldosierter Atem, ich bin erleichtert, der Klang ist sanft.

Ich schlafe, laufe, springe ins Wasser. Es weckt mich nicht. Die Strömung treibt mich fort.

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