Übers Verlieren.

Wie kann man sich denn verlieren? Ist man nicht stets einfach das, was man ist?

Ich bin doch nicht mein Ideal, dem ich nacheifere. Ich bin ich, genauso wie ich im Moment bin, mit all dem Mist und all den guten Seiten. Ich bin auch noch ich, wenn ich meinen Prinzipien zuwiderhandle. Wenn meine Triebe die Überhand gewinnen. Wieso aber, wieso fühlt es sich so an, als würde ich von mir wegschweben? Und wie dehnbar ist die Verbindung, wie lange kann ich kleine Schritte von mir weg machen, bevor ich mich gar nicht mehr finde?

Aber man kann sich doch gar nicht verlieren. Ich bin doch einfach so, so wie ich bin.

Vieleicht könnte man den Tugendethikern doch mehr abgewinnen, als bisher gedacht.  Man muss seinen Geist so trainieren, dass man in gar keine Konflikte mehr tritt, automatisch so handeln will, wie man handeln wollen will und deshalb auch subjektiv sollte. Aber verdammt, ich will auch mal leben. Ohne Anstrengung, ohne Streben, einfach treiben, voller Lust. Ganz nach oben steigen um genug weit fallen zu können, um wieder weinen zu können.

Advertisements

3 Gedanken zu “Übers Verlieren.

  1. Es gibt nichts zu verlieren. Dein Gedanke ist da imo richtig: Alte, liebgewonnene Sicherheiten, die wir zu umklammern meinen, sind oft genug in Wirklichkeit Fesseln, die uns am Wachsen hindern. Mit der Tugend würde ich es nicht unbedingt halten – als wäre Moral jemals Garant für irgendetwas gewesen. Zur Tugend kannst du das bitterböse bei de Sade lesen, zur Schreckensherrschaft der Vernunft empfehlen sich die Frankfurter. Die Empathie ist uns schon von klein auf eingepflanzt – genau wie die Lust an der Grausamkeit. Es gibt viel zu gewinnen – nur Mut! Lass dich treiben, entdecke, schmecke, fühle! Da ist kein strafender Gott, keine höhere Schranke, nur das profane Gesetz, der abschätzige Blick des Spießers (Bünzli 😉 )… und die Leiber: Dein Schmerz, deine Lust, und die gleiche Verletzlichkeit aller anderen empfindsamen Körper – wohin gehst du, was wirst du tun?

    Gefällt 1 Person

  2. Zuerst mal danke ich für Deine lieben Zeilen.

    Ich meine damit nicht nur das Sexuelle. Das Urteil des Bünzlis fürchte ich nicht, meine Prinzipien im sexuellen Bereich gehen kaum über Konsensualität hinaus, da gibt’s nichts, dem ich zuwiderhandeln könnte. Doch bleibt die Angst, die Kontrolle zu verlieren. Mich zu sehr zu verlieren in Ekstase, immer extremer zu werden – ich habe Angst vor dem altbekannten Wolf in mir, der immer grösser zu werden scheint.

    Noch dazu gehe ich viel zu offen durch die Welt. Wo sind die sorgfältig errichteten Wände hin? Weshalb lasse ich Scharen hineinspähen? Wieso hol ich sogar Leute zu mir rein? Das ist so gar nicht mein Stil. Oder vielleicht eben doch, vielleicht ist es mein neuer Stil. Wobei die Nähe sowas Schönes ist, ich möchte nicht mehr ohne. Aber Misstrauen lauert immer wachsam und hält die Hand auf der Klinke. Was, wenn ich es wieder erst zu spät merke, dass mir wer nicht gut tut? Ich habe Jahre verloren und bin nur knapp daran vorbeigeschlittert, noch mehr zu verlieren.

    *mit Schulter zuck* In ein paar Tagen sieht’s sowieso schon wieder besser aus.

    Gefällt 1 Person

  3. Diese Offenheit ist Gefahr und Potential. Ich habe mir so schon viel Schmerz eingehandelt – aber auch die besten Erlebnisse und innigsten Freundschaften. Trotzdem solltest du immer wachsam sein – wem sage ich das, bist du ja 😉 Von einem, der mal tief abgetaucht ist und es zum Atmen wieder an die Oberfläche geschafft hat: Das Risiko lohnt sich 🙂

    Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s