Prince Charming

Auf dem Weg ruf ich noch kurz meinen Opa an, es ist Donnerstag, und einmal die Woche braucht er diesen Kontrollanruf, die Gewissheit, dass ich nicht von irgendwelchen unbekannten Männern in dunkle Ecken geschleppt werde und auch genug esse. Ich plaudere also, gehe langsamer, weil ich ihn schon sehe, lüge: „Opa, meine Mitbewohnerin hat gekocht, ich muss Schluss machen“, lege auf und versuche meinen Blick zu schärfen. Er schaut umher, erblickt mich, lächelt, drei Küsschen. „Let’s go then“, sagt er mit einem einladenden Lächeln, er ist Amerikaner, legt mir in alter Manier die Hand auf die Schulter; wahnsinnig charmant. Ehrlich, keine Ironie. Die ganze Zeit ging mir nur durch den Kopf, wie charmant er war.

Wir sprechen übers Reisen, über Mathe, über mein Studium, gutes Essen in den Mund schaufelnd. Eine interessante Person. Durch halb Amerika ist er gereist, hatte viele verschiedene Stellen, bevor er vor einigen Jahren in der Schweiz landete. Er scheint sehr intelligent und erfahren zu sein, ich fühle mich ihm nicht ganz gewachsen. Na gut, er ist auch mal wieder 15 Jahre älter. Als das Gespräch aufs Sexuelle umschwingt fühle ich mich wie in einem Beratungsgespräch der Auffangstation für Randständige. Er erzählt mir, welche Gruppen es wo gibt, wo man Gleichgesinnte findet… will der mich vögeln, oder hat ihn bei meinem Profil nur der Vater-Instinkt gepackt?

Er fragt, wie ich den Abend noch ausklingen lassen will, ich schlage einen Spaziergang vor, wir schlendern durch die Altstadt. Man merkt, dass wir beide eher ruhige Menschen sind, sich niemand im Gespräch aufdrängen will. Er spricht viel über seine Jugend bevor wir auf unsere vergangenen und bestehenden Beziehungen zu sprechen kommen. Seine souveräne Fassade beginnt etwas zu bröckeln, als er mir erzählt, dass eine seiner Affairen ihn gerade verlassen hatte. Er hatte sich in sie verliebt, wobei sie nie mehr als Körperliches in der Sache sah. Er wirkt plötzlich weich und verletzlich – ich finde es immer schön, wenn mich jemand so nah ran lässt. Der Abend wird ob unseren Gesprächsthemen etwas schwermütig. Er fragt mich dann schliesslich, ob ich noch mit zu ihm kommen will, ich bejahe, schliesslich scheint er ein endlieber Kerl zu sein, und attraktiv find ich ihn sowieso.

Wir sitzen bei ihm auf dem Sofa, eine dampfende Tasse Kaffee in der Hand, ich habe grösstes Vergnügen dabei, seinen schnurrenden Kater zu streicheln. Ganz schwarz und samtig. Ich vermisse meine beiden Katzen. Der Moment kommt, wir rücken immer näher, sein Arm auf meiner Schulter, er spielt mit meinem Haar, wir küssen uns. Schnell greift er mit seiner Hand in meinen Haarschopf, hält mich fest, fixiert mich, knetet meine Brüste – aus dem Gespräch weiss er schon viel über meine Vorlieben. Er legt mich auf den Bauch, die Hand nachwievor im Haarschopf, zieht meine Strumpfhose runter, gezielte Schläge auf den Hintern, alles brennt, ich werde immer nasser. Er treibt mich bis an die Grenze, bis ich mich aufbäume, küsst mich sanft, streichelt meine Wange, fährt zwischen meine Beine.

Er zieht den Gürtel aus seiner Hose. Verdammt, woher weiss er, dass ich bei Gürteln dahinschmelze? Inzwischen bin ich ganz nackt. Er schlägt mich mit dem Gürtel, an den Schenkelinnenseiten, Brüste, Vula. Ich ziehe seine Hose runter, er steht vor mir, sein Schwanz verschwindet in meinem Rachen. Immer heftiger stösst er zu, ich sauge, lasse meine Zunge spielen, in so tief rein fahren, wie’s nur geht, röchelnd den Blick nach oben gerichtet. Er stösst mich zurück, nimmt einen Gummi, dringt in mich ein. Er nimmt seinen Gürtel, legt ihn über meinen Hals – kurzer Moment der Panik; was mach ich hier schon wieder?! – der Gürtel ist locker, mehr zur Fixierung als um die Luft abzuschneiden, ich gebe mich hin, mein Körper pulsiert, alles um mich herum verschwindet. Er kommt heftig, lässt mich frei, hält mich nachher ganz fest. „I’m surprised. I didn’t expect you to be THAT fun. Even for someone who’s into it, I mean, that was amazing.“ Viel habe ich nicht gemacht, aber danke für die Blumen – zuegegeben, ich fand’s auch sehr gut. „The sounds you make, they’re amazing.“ Nun erröte ich schon, grabe mich an seine Brust, kuschle mich ein. Mir fällt plötzlich schlagartig ein: „I don’t even know your name!“ – wir lachen beide, er verrät ihn mir, phu, nachwievor weiss ich also die Namen all meiner Sexpartner; Ehre wiederhergestellt.

Es ist schon spät, den letzten Zug hab ich verpasst, also schlafe ich dort. Wir kuscheln uns in sein Bett, nur noch wenige Stunden, bis der Wecker uns aus dem Bett klingeln wird. Nach einer kurzen Nacht wache ich in seiner Umarmung auf. „Good morning princess. You do look even more beautiful in this morning light. I am a lucky man to have you here“, sagt er und streichelt mich sanft, meinen Nacken mit Küssen bedeckend. Ich grinse. So sind Morgen ja ganz erträglich.

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