PTSD und Beziehungen

Seit einigen Monaten ist etwas in mir gewachsen, dass ein immer grösseres Problem in meinem Leben wird. Alsbald die Taubheit der Depression nachließ und mein Gehirn beschloss, dass es nun stabil genug sei, um all die Emotionen freizuschalten, ist mein Leben eine riesige Achterbahn.

Posttraumatische Belastungsstörung ist eine Angststörung, die nach (einer Serie) von traumatischen Ereignissen entstehen kann. In meinem Fall war es die dreijährige Beziehung geprägt von sexuellen und physischen Übergriffen und das manipulative Machtgefälle, in dem ich mich befand.

Wenn man immer und immer wieder traumatischen Erlebnissen ausgesetzt ist, kreiert das Gehirn einige überlebenswichtige Schutzmechanismen. Dissoziation, enorme Wut, Gleichgültigkeit, Fluchtreflexe, Rationalisierungen… ja, in dieser Zeit haben sie mich vor dem totalen Zerbrechen geschützt. Jetzt jedoch, jetzt, machen sie mein Leben zur Hölle.

Es dauert eine ganze Weile, um diese Mechanismen wieder zu verlernen. Und es braucht wahnsinnig viel Energie. Und es ist schwierig nicht nur für mich, sondern auch für mein Umfeld. Dadurch, dass viele meiner Trigger, oder so gut wie alle, Zwischenmenschliche sind, kriegen die Leute, die mir am nächsten stehen, oft meine destruktivste Seite ab.

Trigger. Ein Trigger ist alles, was einen wieder in diesen Alarmzustand versetzt. Ich bin polyamor. Ich bin kinky. Und was mich eine ausgewachsene Panikattacke erleben lassen kann, ist, meinen Partner mit einer anderen Partnerin zu sehen. Zu hören, wie viel Spass sie zusammen haben. Wenn etwas auch nur ganz entfernt einer Lüge gleicht, oder jemand nicht komplett offen ist. Wenn jemand Sachen nicht tut, von denen er gesagt hat, sie zu tun.

Rational weiss ich, dass meine Partner mir nichts Schlechtes wollen, ganz im Gegenteil. Dass meine Partner mir Details nicht erzählen, weil sie eine Panickattacke auslösen könnten und ich sie sogar darum gebeten habe. Dass es keine Rolle für mich spielt, ob Daddy Sachen erledigt oder nicht, solange sie mich nicht direkt betreffen. Dass es wundervoll ist, dass er noch andere Partnerinnen an seiner Seite hat und ich mich für ihn freuen will. Dass ich jemanden darum gebeten habe, mich zu benutzen, und alles nur innerhalb meines abgesteckten Rahmens stattfindet; und trotzdem kann sich während dem Sex plötzlich ein Schalter umlegen und ich möchte das Gegenüber so schnell wie möglich von mir weghaben und davonrennen.

Zuerst dachte ich, ich schaue jeder dieser angstauslösenden Situationen ins Gesicht, durchlebe sie und dann wird es besser. So funktioniert PTSD jedoch nicht. Damit festigte ich meine Panikreaktionen, das Gehirn glaubte, wieder in einer Fight or Flight Situation zu sein. Nein, was ich machen muss, ist, mich ganz langsam kleinen Triggern auszusetzen, und es zu schaffen, mein Gehirn im Jetzt zu behalten. Keine Panikattacke zu kriegen. Und mich dann zu steigern. Stück für Stück.

Und deshalb werde ich in zwei Wochen in eine eigene Wohnung ziehen. Ich werde nicht mehr so oft bei Daddy sein. Deshalb musste ich allen meinen Metamours (Partnern von Partnern) erklären, dass ich in nächster Zeit nichts mit ihnen zu tun haben will. Es bricht mir das Herz, mich von Leuten, die ich liebe, zurückzuziehen. Aber um ihnen wieder näher zu kommen, muss ich zuerst eine Distanz finden, die mir keine Angst macht.

Es ist ein schwieriger Weg und ich stehe am Anfang. Aber ich habe viele geduldige und liebevolle Menschen in meiner Nähe, die mich begleiten wann immer ich jemanden an meiner Seite brauche.

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2 Gedanken zu “PTSD und Beziehungen

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